Di.. Juni 30th, 2026

Kurz gesagt: Aus Stecklingen gezogene Feigen tragen meist im 2. bis 4. Standjahr die ersten Früchte, manchmal schon im ersten Sommer einzelne Brevas. Veredelte oder ältere Pflanzen tragen oft direkt im ersten Jahr.

Bei mir am Hof in Berglen ziehe ich viele Sorten aus eigenen Stecklingen groß. Die Geduld lohnt sich – aus meiner Erfahrung trägt eine kräftige zweijährige Pflanze meist schon ihre ersten Feigen.

Faustregel nach Anzuchtart:

  • Steckling im ersten Jahr: Bildet Wurzeln und Triebe, selten erste Früchte – meist fallen sie noch ab.
  • Steckling im zweiten Jahr: Erste Brevas möglich, oft 1–5 Stück. Hauptsächlich Wachstum.
  • Steckling im dritten Jahr: Verlässlicher Ertrag, je nach Sorte 10–30 Früchte.
  • Steckling ab viertem Jahr: Volltragend, bis zu 100 Früchte und mehr.
  • Veredelte Pflanze (älteres Reis auf jüngerem Wurzel): Trägt oft schon im ersten Jahr.
  • Fertig gekaufte 2-jährige Pflanze (von Feigenhof): Trägt meist im ersten oder zweiten Jahr nach Pflanzung.

Wichtig: Eine zu früh tragende Pflanze sollte ihre Kraft erstmal in den Aufbau stecken. Bei meinen Jungpflanzen pflücke ich die ersten Früchte oft ab, damit Wurzeln und Triebgerüst vorrang haben. Das zahlt sich in den Folgejahren mit deutlich höheren Erträgen aus.

Mein Tipp: Geduld haben. Eine Feige ist ein langfristiges Investment – und der erste eigene Bissen einer selbst gezogenen Frucht ist jede Wartezeit wert.

Von Bernd Vollmer

Bernd Vollmer ist Gartenbauwissenschaftler, bekennender Pflanzen-Nerd und seit über 25 Jahren mit Erde unter den Fingernägeln unterwegs. Er interessiert sich für alles, was Wurzeln schlägt, Blätter treibt oder Blüten macht – besonders für Feigen und Orchideen, gern auch dort, wo andere längst aufgegeben haben. Webseiten baut er seit 1998, lange bevor Content Marketing einen Namen hatte, und teilt seitdem sein Wissen, seine Experimente und gelegentlich auch seine Fehler. Neben Pflanzen beschäftigen ihn seit einigen Jahren Investment-Ideen, langfristiges Wachstum und nachhaltige Entwicklungen – vermutlich, weil ihn funktionierende Systeme schon immer fasziniert haben. Wenn er nicht gerade im Garten, im Wald oder in den Alpen unterwegs ist, sitzt er auf dem Mountainbike, hinter der Kamera oder tüftelt an neuen digitalen Projekten. Meistens mit einer Pflanze im Blick – oder einer Idee, die noch wachsen darf. 🌱📷🚵‍♂️

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