Fr.. Juni 26th, 2026
festa della Fica italy

Es gibt Orte, an denen die Feige nicht einfach nur eine Frucht ist. Sie ist Erinnerung, Sommer, Gartenkultur, Duft, Süße und ein Stück regionaler Identität. Einer dieser Orte ist Marittima di Diso im südlichen Salento, ganz unten im Absatz des italienischen Stiefels. Dort findet jedes Jahr am 16. August die Festa della Fica statt – ein Feigenfest, das Tradition, Kulinarik, Musik und eine ordentliche Portion süditalienischen Humor miteinander verbindet.  

Schon der Name der Veranstaltung zeigt, dass man im Salento nicht alles zu ernst nimmt. Die „Fica“ ist im lokalen Sprachgebrauch die Feige, gleichzeitig spielt der Begriff mit einer doppeldeutigen, volkstümlichen Bedeutung. Genau dieser Mix aus Fruchtkultur, Augenzwinkern und Lebensfreude macht das Fest so besonders. Im Mittelpunkt steht aber ganz klar die Feige selbst: ihre Sortenvielfalt, ihre Bedeutung für die bäuerliche Kultur und ihre Rolle in der Küche Süditaliens.

Marittima gehört zur Gemeinde Diso in der Provinz Lecce und liegt im unteren Salento, unweit der Küste. Wer Feigen liebt, findet hier ein Stück lebendige Feigengeschichte. Während bei uns in Deutschland oft über Winterhärte, Sortenwahl und Reifezeit diskutiert wird, gehört die Feige in Apulien seit Generationen selbstverständlich zur Landschaft. Alte Bäume stehen an Wegen, in Gärten, auf kleinen Feldern und rund um Dörfer. Sie spenden Schatten, liefern Früchte und erzählen von einer Zeit, in der die Feige ein wichtiges Nahrungsmittel war.

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Besonders spannend ist, dass bei der Festa della Fica laut Veranstaltungsbeschreibung über 60 Feigensorten aus dem Salento verkostet werden können – von Latiano bis Santa Maria di Leuca. Das zeigt sehr schön, wie groß die regionale Vielfalt innerhalb einer einzigen Fruchtart sein kann. Für Feigenfreunde ist genau das der Reiz: Nicht jede Feige schmeckt gleich. Manche sind honigsüß, andere beerig, manche eher karamellig, manche trocknen hervorragend, andere sind frisch vom Baum ein Erlebnis.  

Das Fest entstand mit dem Ziel, die Biodiversität lokaler Feigen zu bewahren und sichtbar zu machen. Ein alter, symbolischer Baum der Fica Maranciana steht dabei im Zentrum der Veranstaltung und erinnert daran, dass Sortenvielfalt nicht nur in Sammlungen oder Baumschulen lebt, sondern auch in Dörfern, Familiengärten und regionalen Traditionen weitergegeben wird.  

Kulinarisch dreht sich natürlich fast alles um die Feige. Besucher können frische Feigen, getrocknete Feigen, Marmeladen, karamellisierte Feigen, Süßspeisen, Taralli, Desserts und sogar Feigeneis probieren. Dazu kommen typische Gerichte aus dem Salento wie Pasta, Grillgerichte, Pittule und weitere regionale Spezialitäten. Die Veranstalter setzen dabei stark auf lokale Zutaten und kurze Wege.  

Neben dem Essen gehört auch das Handwerk zum Fest. Auf den Märkten werden Produkte rund um die Feige angeboten: T-Shirts, Taschen, Hüte, Strandtücher, traditionelle Tamburelli und sogar „lu maju“, ein alter Holzhammer aus Feigenholz, der früher zum Trennen von Hülsenfrüchten verwendet wurde. Auch Keramik aus Lucugnano wird erwähnt – ein weiteres Beispiel dafür, wie eng Feige, Handwerk und regionale Kultur miteinander verbunden sind.  

Am Abend wird Marittima dann zur Bühne. Musik, Tanz und salentinische Lebensfreude machen aus dem Feigenfest mehr als nur einen Markt. Für 2026 wird das Fest auf mehreren Veranstaltungsseiten erneut für den 16. August 2026 angekündigt; das detaillierte Programm kann sich jedoch noch ändern und sollte vor einer Reise direkt bei den Veranstaltern geprüft werden.  

Für uns als Feigenhof ist die Festa della Fica ein schönes Beispiel dafür, was Feigenkultur eigentlich bedeutet. Es geht nicht nur darum, eine Pflanze zu kaufen und in den Garten zu setzen. Es geht um Sorten, Geschichten, Geschmack, Klima, Menschen und um die Freude daran, eine alte Kulturpflanze neu zu entdecken. Genau diese Faszination möchten wir auch hier in Deutschland weitergeben.

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Natürlich ist Deutschland nicht Apulien. Unsere Feigen müssen mit Frost, Spätfrösten, nassen Wintern und kürzeren Sommern zurechtkommen. Aber gerade deshalb ist die Beschäftigung mit Sorten so spannend. Während in Süditalien alte lokale Sorten gefeiert werden, suchen wir bei uns nach Feigen, die zuverlässig ausreifen, robust wachsen und auch in kühleren Regionen Freude machen. Die Grundidee bleibt dieselbe: Feigen sind mehr als nur Obst. Sie sind Gartenkultur.

Wer also im August im Salento unterwegs ist, sollte sich die Festa della Fica in Marittima vormerken. Nicht nur wegen der vielen Feigen, sondern auch wegen der Atmosphäre: ein warmer Sommerabend, süße Früchte, Musik, Handwerk, regionale Küche und ein Dorf, das seine Feigen mit Stolz und Humor feiert.

Und vielleicht nimmt man von dort nicht nur den Geschmack reifer apulischer Feigen mit nach Hause, sondern auch eine wichtige Erkenntnis: Jede Region hat ihre eigenen Feigenschätze. Man muss sie nur entdecken, bewahren und weitererzählen.

Von Bernd Vollmer

Bernd Vollmer ist Gartenbauwissenschaftler, bekennender Pflanzen-Nerd und seit über 25 Jahren mit Erde unter den Fingernägeln unterwegs. Er interessiert sich für alles, was Wurzeln schlägt, Blätter treibt oder Blüten macht – besonders für Feigen und Orchideen, gern auch dort, wo andere längst aufgegeben haben. Webseiten baut er seit 1998, lange bevor Content Marketing einen Namen hatte, und teilt seitdem sein Wissen, seine Experimente und gelegentlich auch seine Fehler. Neben Pflanzen beschäftigen ihn seit einigen Jahren Investment-Ideen, langfristiges Wachstum und nachhaltige Entwicklungen – vermutlich, weil ihn funktionierende Systeme schon immer fasziniert haben. Wenn er nicht gerade im Garten, im Wald oder in den Alpen unterwegs ist, sitzt er auf dem Mountainbike, hinter der Kamera oder tüftelt an neuen digitalen Projekten. Meistens mit einer Pflanze im Blick – oder einer Idee, die noch wachsen darf. 🌱📷🚵‍♂️

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