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Feigenöl aus Feigenblättern: Wenn der Feigenbaum plötzlich nach Süditalien duftet

Feigenoel

Kürzlich erreichte mich eine Anfrage, die mich wirklich neugierig gemacht hat. Ich wurde gefragt, ob ich auch Blätter von Feigenbäumen anbiete, damit man sich daraus Feigenöl machen kann. Feigenöl? Im ersten Moment musste ich tatsächlich kurz überlegen. Von grün eingelegten Feigen hatte ich natürlich schon gehört, ich habe sie auch selbst schon zubereitet. Aber Feigenöl aus den Blättern des Feigenbaumes hatte ich so noch gar nicht richtig auf dem Schirm.

Also habe ich angefangen zu recherchieren. Und je mehr ich darüber gelesen habe, desto spannender wurde es. Denn Feigenblätter sind nicht nur dekorativ und im Garten ein wunderschöner Anblick, sie besitzen auch ein ganz eigenes Aroma. Wer schon einmal an einem warmen Sommertag unter einem Feigenbaum stand, kennt diesen besonderen Duft vielleicht: ein Hauch von Kokos, etwas Vanille, etwas Grünes, Warmes, fast schon Mediterranes. Genau dieses Aroma kann man einfangen – und zwar in Öl.

Aus frischen Feigenblättern lässt sich ein aromatisiertes Öl herstellen, das erstaunlich fein und gleichzeitig intensiv wirken kann. Es ist kein „Feigenöl“ im klassischen Sinne, also kein Öl, das aus Feigen gepresst wird. Vielmehr handelt es sich um ein neutrales Speiseöl, das mit dem Duft und Geschmack der Feigenblätter aromatisiert wird. Das Ergebnis ist ein Öl, das sehr gut zu sommerlichen Salaten, mildem Gemüse, geröstetem Brot, Joghurtgerichten oder auch zu süß-herzhaften Kombinationen passt.

Besonders schön finde ich die Vorstellung, dieses Öl mit reifen oder getrockneten Feigen zu kombinieren. Feigen, die vorher in etwas Portwein ziehen durften, auf Kokosjoghurt angerichtet und mit wenigen Tropfen Feigenblattöl verfeinert – das klingt nicht nur nach Dessert, sondern fast nach einem kleinen Urlaub in Süditalien. Genau solche Entdeckungen machen den Feigenbaum für mich immer wieder spannend. Er ist eben nicht nur eine Pflanze für Früchte, sondern eine Kulturpflanze mit erstaunlich vielen Facetten.

Für ein einfaches Feigenblattöl braucht man nur wenige Zutaten. Etwa fünf große, frische Feigenblätter reichen für ungefähr 750 Milliliter neutrales Öl. Rapsöl eignet sich gut, weil es den Geschmack der Blätter nicht überdeckt. Wichtig ist, dass die Blätter möglichst frisch verarbeitet werden. Am besten pflückt man sie am selben Tag und verwendet große, gesunde, saubere Blätter. Kleine Blätter funktionieren ebenfalls, dann nimmt man einfach ein paar mehr.

Vor der Verarbeitung sollten die Feigenblätter vorsichtig gewaschen und trocken getupft werden. Beim Pflücken und Schneiden ist etwas Achtsamkeit sinnvoll, denn Feigenbäume enthalten Milchsaft, der bei empfindlicher Haut reizen kann. Wer empfindlich reagiert, trägt besser Handschuhe und vermeidet es, danach mit den Händen in die Sonne zu gehen. Die Blätter selbst werden für das Öl nicht mitgegessen, sondern dienen nur als Aromageber.

Die Zubereitung ist unkompliziert. Die frischen Feigenblätter werden grob zerkleinert und anschließend in einem Häcksler oder einer Küchenmaschine fein gehackt. Danach erhitzt man das Öl vorsichtig auf etwa 70 Grad. Es soll warm werden, aber auf keinen Fall kochen. Sobald die Temperatur erreicht ist, nimmt man den Topf vom Herd und gibt die zerkleinerten Feigenblätter dazu. Dann wird der Topf abgedeckt und das Öl darf mehrere Stunden ziehen. Besonders aromatisch wird es, wenn man es über Nacht stehen lässt.

Am nächsten Tag wird das Öl zunächst durch ein feines Sieb abgegossen. Danach empfiehlt es sich, es noch einmal durch ein Tuch, einen Kaffeefilter oder ein mit Küchenpapier ausgelegtes Sieb zu filtern. So werden auch die feinen Blattreste entfernt und das Öl wird klarer. Anschließend kann man es in saubere Flaschen füllen und kühl sowie dunkel lagern.

Das fertige Feigenblattöl hat ein feines, süßlich-grünes Aroma. Es erinnert nicht direkt an die Frucht der Feige, sondern eher an den ganzen Baum: an warme Blätter, Sommerluft, mediterrane Gärten und diesen ganz besonderen Duft, den man schwer beschreiben kann, aber sofort wiedererkennt, wenn man ihn einmal wahrgenommen hat. Gerade zu Salaten kann dieses Öl sehr interessant sein, besonders wenn milde Zutaten verwendet werden. Auch über Tomaten, gegrilltem Gemüse oder einem einfachen Stück Brot kann es überraschend gut passen.

Für mich ist diese Anfrage ein schönes Beispiel dafür, wie viel man an einer Pflanze noch entdecken kann, obwohl man sie seit Jahren kennt. Der Feigenbaum liefert nicht nur Früchte, Schatten und mediterranes Flair im Garten. Selbst seine Blätter können in der Küche eine Rolle spielen – nicht als Hauptzutat, sondern als Duft- und Aromaträger.

Ob ich künftig Feigenblätter gezielt anbieten werde, muss ich mir noch überlegen. Aber eines steht fest: Diese Idee hat mich neugierig gemacht. Und genau das mag ich am Gärtnern und an besonderen Pflanzen so sehr. Man glaubt, man kennt eine Pflanze – und dann kommt jemand mit einer einfachen Frage um die Ecke und plötzlich öffnet sich ein ganz neuer Blick auf etwas, das schon lange vor der eigenen Nase wächst.

Rezept: Feigenblattöl aus frischen Feigenblättern

Für etwa 750 Milliliter Feigenblattöl benötigt man fünf große frische Feigenblätter und 750 Milliliter neutrales Öl, zum Beispiel Rapsöl. Die Blätter sollten möglichst frisch geerntet und noch am selben Tag verarbeitet werden, damit sie ihr volles Aroma abgeben.

Die Feigenblätter werden gewaschen, gut trocken getupft und anschließend in einer Küchenmaschine oder einem Häcksler klein gehackt. Danach wird das Öl vorsichtig auf etwa 70 Grad erhitzt. Es darf nicht kochen. Sobald das Öl warm genug ist, nimmt man den Topf vom Herd und gibt die zerkleinerten Feigenblätter hinein.

Nun bleibt das Öl bei geschlossenem Deckel mehrere Stunden stehen, idealerweise über Nacht. Danach wird es zuerst durch ein Sieb und anschließend noch einmal durch ein Tuch oder einen Filter gegossen, damit möglichst keine feinen Blattreste im Öl bleiben. Anschließend füllt man das Feigenblattöl in saubere Flaschen und lagert es kühl und dunkel.

Das Öl eignet sich besonders als feines Salatöl, zu mildem Gemüse, zu mediterranen Vorspeisen oder als aromatischer Akzent bei Desserts mit Feigen, Kokosjoghurt oder Portweinfeigen.

Kurzer Hinweis zur Ernte

Feigenblätter sollten nur von gesunden, unbehandelten Pflanzen verwendet werden. Beim Ernten ist Vorsicht sinnvoll, weil der Milchsaft des Feigenbaums bei empfindlicher Haut Reizungen auslösen kann. Die Blätter werden für dieses Öl nur zum Aromatisieren verwendet und anschließend vollständig herausgefiltert.

Dieser Beitrag ist ein Garten- und Küchenbeitrag und ersetzt keine medizinische Beratung. Feigenblätter sollten nicht als Heilmittel beworben oder dauerhaft in großen Mengen konsumiert werden. Bei Unsicherheit, Vorerkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder bei der Verwendung für Kinder sollte auf den Konsum verzichtet oder fachlicher Rat eingeholt werden.

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